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ANWALT IN VIETNAM DR OLIVER MASSMANN – VIETNAM –
LEITFADEN ZUR GELDWÄSCHEBEKÄMPFUNG:
Internationale Stellung
- Mitglied der Financial Action Task Force (FATF)? Nein, Vietnam ist derzeit kein Mitglied der FATF.
- Mitglied der Asia/Pacific Group on Money Laundering (APG): Ja. Weitere Informationen zur Bewertung der Umsetzung von Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung und
Terrorismusfinanzierung (AML/CFT) in Vietnam finden Sie auf der APG-Website.
- Auf der FATF-Blacklist? Nein. Vietnam befindet sich jedoch derzeit auf der grauen Liste der FATF.
- Mitglied der Egmont-Gruppe? Nein.
Überblick über Länderrisiken
- Die stärkere Integration Vietnams in die regionale und globale Wirtschaft hat in den letzten Jahren die Möglichkeiten für internationale Geldwäscheverbrechen erhöht.
- Geldwäscheaktivitäten wurden erst in jüngerer Zeit deutlich sichtbar, u. a. durch Kontoeröffnungen, Wertpapierhandel, Glücksspiel, illegale Auslandsüberweisungen von Fremdwährungen,
Nutzung von Kreditkarten.
- Die Bekämpfung der Geldwäsche ist zu einem der wichtigsten Anliegen geworden – nicht nur für die Staatsbank von Vietnam (SBV), sondern auch für andere zuständige Behörden.
- Laut einem Bericht der SBV betrugen verdächtige
Transaktionen:
- 2012: VND 51.000 Milliarden
- 2013: VND 79.000 Milliarden
- 2014: VND 119.000 Milliarden
- Dies zeigt eine alarmierende Zunahme verdächtiger Transaktionen. Das Gesetz zur Geldwäschebekämpfung trat am 1. Januar 2013 in Kraft.
- Das AML-Rechtsrahmenwerk gilt jedoch weiterhin als unzureichend: unklare Umsetzung, geringe Sensibilisierung der Kreditinstitute, schwache Fähigkeit zur Erkennung von Geldwäsche, unzureichende IT-Systeme und ein formalistisch geprägtes Sanktionssystem. Die Regierung, insbesondere die SBV, wird dringend empfohlen, die Vorschriften zu verschärfen.
Wichtige Rechtsgrundlagen
- Gesetz Nr. 14/2022/QH15 zur Prävention und Bekämpfung von Geldwäsche, erlassen von der Nationalversammlung am 15. November 2022.
- Dekret Nr. 19/2023/ND-CP vom 28. April 2023 – detaillierte Umsetzung bestimmter Bestimmungen des AML-Gesetzes.
- Dekret Nr. 88/2019/ND-CP vom 14. November 2019 – Sanktionen für Verwaltungsverstöße gegen Währungs- und Bankrechtsvorschriften, geändert durch Dekret Nr. 143/2021/NĐ-CP.
- Dekret Nr. 340/2025/ND-CP vom 25. Dezember 2025 – neues Sanktionssystem, ersetzt Dekret 88 und tritt am 9. Februar 2026 in Kraft.
- Entscheidung Nr. 11/2023/QĐ-TTg vom 27. April 2024 – Schwellenwerte für meldepflichtige Großtransaktionen.
- Rundschreiben Nr. 09/2023/TT-NHNN vom 28. Juli 2023 – Leitlinien zur Umsetzung bestimmter AML-Vorschriften.
- Strafgesetzbuch Nr. 100/2015/QH13, erlassen am 27. November 2015, geändert durch Gesetz Nr. 12/2017/QH14 vom 20. Juni 2017 – in Kraft seit 1. Januar 2018
Hier ist die deutsche Übersetzung des Abschnitts zu
Regulierungs- und Aufsichtsbehörden sowie
betroffenen/meldepflichtigen Einheiten in Vietnam:
Regulierungs- und Aufsichtsbehörden
Die folgenden staatlichen Behörden sind verantwortlich
für die Meldung, Prävention und Bekämpfung von
Geldwäscheaktivitäten:
- Staatsbank von Vietnam (SBV): Hauptverantwortlich gegenüber der Regierung für die staatliche Verwaltung und Umsetzung der AML-Vorschriften.
- Ministerium für öffentliche Sicherheit: Zuständig für Sammlung, Entgegennahme und Untersuchung von Informationen zu geldwäschenahen Straftaten.
- Ministerium für nationale Verteidigung: Verantwortlich für den Austausch von Informationen und Dokumenten über Geldwäscheaktivitäten im Zusammenhang mit der Finanzierung von Massenvernichtungswaffen in Vietnam und im Ausland mit der SBV.
- Finanzministerium: Zuständig für AML-Maßnahmen im Versicherungswesen, Wertpapiersektor, Rechnungswesen, Glücksspiele und Casinos, Lotterie, Wetten und andere vom Ministerium verwaltete Dienstleistungssektoren.
- Bauministerium: Zuständig für AML-Maßnahmen im Immobiliensektor (außer Vermietung, Untervermietung und Beratungsdienste).
- Justizministerium: Zuständig für AML-Maßnahmen im Bereich Notariat und Rechtsanwaltschaft.
- Ministerium für Industrie und Handel: Zuständig für AML-Maßnahmen im Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen (außer Goldbarren, Goldschmuck und Kunstgegenstände).
- Ministerium für Planung und Investition: Zuständig für AML-Maßnahmen in den von ihm verwalteten Sektoren.
- Ministerium für Inneres: Zuständig für AML-Maßnahmen bei Verbänden, sozialen Fonds, Wohltätigkeitsfonds und religiösen Institutionen.
- Außenministerium: Zuständig für AML-Maßnahmen bei ausländischen Nichtregierungsorganisationen.
- Ministerium für Information und Kommunikation: Zuständig für AML-Maßnahmen im Bereich Telekommunikation und internetbasierte Spiele.
- Volksstaatsanwaltschaft und Volksgerichte: Koordinieren mit anderen Behörden bei der Untersuchung, Strafverfolgung und Ahndung von Geldwäscheverbrechen.
- Volkskomitees auf allen Ebenen: Verantwortlich für AML-Schulungen in den Provinzen und Koordination mit staatlichen Behörden zur Umsetzung von Strategien und Plänen.
- Steuerungskomitee zur Geldwäschebekämpfung:
Unterstützt den Premierminister bei Strategie, Politik und
Programmen zur AML-Bekämpfung, einschließlich:
- Kundenannahmepolitik
- Verfahren zur Identifizierung, Überprüfung und Aktualisierung von Kundendaten
- Meldepflichtige Transaktionen
- Verfahren zur Überprüfung, Erkennung und Meldung verdächtiger Transaktionen
- Informationssicherheit und -aufbewahrung
- Anwendung vorübergehender Maßnahmen bei Transaktionsverzögerungen
- Berichts- und Informationspflicht gegenüber SBV und anderen Behörden
- Fachschulungen zur AML-Bekämpfung
- Interne Kontrolle und Prüfung der Einhaltung von AML-Regeln
Betroffene/meldepflichtige Einheiten –
Finanzinstitute
Meldepflicht besteht insbesondere:
- Wenn Kunden erstmals Konten eröffnen oder Transaktionen tätigen.
- Wenn Kunden kein Konto haben oder sechs Monate keine Transaktionen durchgeführt haben, oder Einzahlungen/Abhebungen/Überweisungen von mindestens VND 400 Mio. pro Tag oder entsprechendem Fremdwährungswert tätigen (mit Ausnahmen wie Zinsauszahlungen, Kreditkartenrückzahlungen, Darlehensrückzahlungen, registrierte Ratenzahlungen, Wertpapier- oder Anleihegewinne).
- Wenn Zweifel an der Transaktion oder an der Beteiligung von Parteien mit Geldwäschebezug bestehen.
- Wenn Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der
zuvor erhobenen Kundendaten bestehen.
Relevante nichtfinanzielle Institutionen oder Einzelpersonen - Geschäftstätigkeit mit Gewinnspielen, einschließlich elektronischer Spiele mit Gewinnvergabe, Telekommunikationsnetz-basierte Spiele, internetbasierte Spiele, Casinos, Lotterie: Kunden mit Hochwerttransaktionen über VND 70 Mio. pro Tag.
- Immobiliengeschäfte und Managementdienste (außer Vermietung, Untervermietung und Beratungsdienste): bei der Erbringung dieser Leistungen für Käufer, Erwerber und Eigentümer.
- Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen: wenn Kunden Bartransaktionen mit einem Wert von über VND 400 Mio. pro Tag durchführen.
- Rechtsdienstleistungen: wenn im Namen des Kunden Transaktionen zur Gründung, Verwaltung oder Führung von Rechtsvereinbarungen durchgeführt werden.
- Dienstleistungen zur Unternehmensgründung, -führung und -verwaltung: Bereitstellung von Geschäftssitz, Adresse oder Vertretungsdiensten für Unternehmen.
- Dienstleistungen zur Bereitstellung von Direktoren oder Sekretären für Dritte: sowohl für die dritte Partei als auch für den eingesetzten Direktor/Sekretär.
Gesetzliche Anforderungen an KYC
Kundenidentifizierung (Customer Due Diligence):
• Die Anwendung von
Maßnahmen zur Identifizierung von Kunden hängt von der
Risikobewertung im Hinblick auf Geldwäsche ab.
• Verfahren zur Risikomanagement umfassen die Klassifizierung
von Kunden nach niedrigem, mittlerem und hohem Risiko.
• Die oben genannten Dienstleister/Einheiten müssen die
Kundendaten regelmäßig aktualisieren, solange eine
Geschäftsbeziehung besteht.
• Kunden müssen zusätzlich klassifiziert werden
nach:
o Kundengruppen
o genutzten Produkten/Dienstleistungen
o Wohnsitz oder Unternehmenssitz
o geografischer Lage und weiteren Risikofaktoren
(Art. 4.2(c) – Rundschreiben 9/2023/TT-NHNN)
Hier ist die deutsche Übersetzung des Abschnitts zu
Meldepflichten, Aufbewahrung, Tipping-off, Whistleblowing,
Durchsetzung und Sanktionen:
Meldepflichten / Aufbewahrung
• Informationen, Dokumente und
Aufzeichnungen zur Kundenidentifizierung, Ergebnisse der Analyse
und Bewertung durch die meldepflichtige Einheit sowie
Transaktionsberichte und andere relevante Unterlagen müssen
mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden – ab dem
Abschlussdatum der Transaktion, dem Datum der Kontoschließung
oder dem Meldedatum.
• Berichte über:
o Hochwertige Transaktionen ab VND
400 Mio.
o Verdächtige Transaktionen
o Elektronische Geldtransfers über VND 500 Mio. (Inland) oder
über 1.000 USD (Ein- oder Auslandsüberweisungen)
müssen ebenfalls mindestens fünf Jahre ab dem
Transaktionsdatum gespeichert werden.
Tipping-off
Meldepflichtige Institutionen/Personen sowie deren Management oder
Mitarbeiter dürfen eine betroffene Person nicht darüber
informieren, dass eine verdächtige Transaktion gemeldet wurde
oder gemeldet wird.
Whistleblowing (Berichtspflichten)
Das AML-Gesetz sieht nur die Meldung an folgende staatliche Stellen
vor, nicht jedoch ein klassisches Whistleblowing:
• Staatsbank von Vietnam
(SBV)
• Ermittlungsbehörden, Volksstaatsanwaltschaften,
nationale Sicherheitsbehörden
• Staatliche Inspektionsbehörden mit
AML-Prüfungsbefugnissen
Durchsetzung
• Wenn Transaktionsparteien auf der Blacklist stehen oder ein
Zusammenhang mit Straftaten vermutet wird, muss die Transaktion bis
zu drei Arbeitstage verzögert und sofort schriftlich sowie
telefonisch an die zuständigen Behörden und die SBV
gemeldet werden.
• Erfolgt innerhalb von drei Tagen keine Rückmeldung,
darf die Transaktion durchgeführt werden.
• Zusätzlich müssen Konten blockiert oder
Vermögenswerte beschlagnahmt werden, wenn eine Entscheidung
der zuständigen Behörden vorliegt.
Sanktionen
• Natürliche Personen:
o Verwaltungsstrafen bis VND 500
Mio.
o Disziplinarmaßnahmen oder Strafen von 1 bis 15 Jahren
Freiheitsstrafe
o Teilweise oder vollständige Vermögenskonfiskation
o Geldstrafen bis zum Dreifachen des Verstoßbetrags
o Amts- oder Positionsverbot für 1–5 Jahre
• Juristische Personen (Unternehmen):
o Geldstrafen zwischen VND 1 Mrd.
und VND 20 Mrd.
o Betriebsaussetzung für 1–3 Jahre
o Tätigkeitsverbot in bestimmten Branchen für 1–3
Jahre
o Zwangsschließung und Liquidation
Interne Verfahren und Schulungen
Gemäß Artikel 24 des AML-Gesetzes müssen
meldepflichtige Einheiten/Personen interne Verfahren zur
Prävention und Bekämpfung von Geldwäsche einrichten,
mit folgenden Inhalten:
• Kundenannahmepolitik
• Verfahren und Prozesse zur Kundenidentifizierung
• Richtlinien und Verfahren zum Risikomanagement
• Verfahren zur Meldung von meldepflichtigen
Transaktionen
• Schritte zur Prüfung, Erkennung, Bearbeitung und
Meldung verdächtiger Transaktionen; Methoden der
Kontaktaufnahme mit Kunden, die verdächtige Transaktionen
durchführen
• Speicherung, Sicherheit und Vertraulichkeit von
Informationen
• Anwendung vorläufiger Maßnahmen, Grundsätze
zur Handhabung von Transaktionsaufschüben
• Berichts- und Informationspflicht gegenüber der
Staatsbank von Vietnam und anderen zuständigen
Behörden
• Rekrutierung und Schulung von Fachpersonal für
AML-Aktivitäten
• Interne Kontrolle und Prüfung der Einhaltung von
AML-Richtlinien, Vorschriften, Prozessen und Verfahren;
Verantwortlichkeiten jeder natürlichen Person oder Abteilung
für die Umsetzung interner Regeln und Vorschriften zur
AML-Bekämpfung
Sanktionen
Internationale Übereinkommen
Die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Prävention
und Bekämpfung von Geldwäsche umfasst:
1. Austausch und Bereitstellung von
Informationen zur Geldwäschebekämpfung
2. Feststellung und Blockierung von Vermögenswerten der
Täter
3. Rechtshilfe
4. Forschung, Schulung, Informationsunterstützung, technische
Hilfe, finanzielle Unterstützung und Erfahrungsaustausch im
Bereich AML
5. Weitere Aspekte gemäß internationalen Abkommen, denen
Vietnam beigetreten ist
Terrorismusfinanzierung (CTF)
• Das Ministerium für
öffentliche Sicherheit ist verantwortlich für die
Erstellung einer Liste von Organisationen und Personen im
Zusammenhang mit Terrorismus und Terrorismusfinanzierung
(Blacklist).
• Meldepflichtige Einheiten/Personen müssen
unverzüglich den zuständigen Anti-Terror-Behörden
berichten und gleichzeitig Berichte an die Staatsbank von Vietnam
senden, wenn sie Transaktionen von gelisteten
Organisationen/Personen feststellen oder Beweise für
geldwäschenahes Verhalten zur Terrorismusfinanzierung
vorliegen.
• Gleichzeitig müssen Maßnahmen zur
Verzögerung von Transaktionen sowie zur Blockierung von Konten
oder Beschlagnahmung von Vermögenswerten angewendet
werden.
Korruptionsbekämpfung
• Korruption ist in Vietnam weit verbreitet. Laut dem
Korruptionswahrnehmungsindex 2024 liegt Vietnam auf Rang 88 von
180.
• Besonders betroffen sind: öffentliche Verwaltung und
Sicherheit, Gesundheitswesen, Justiz und Landverwaltung.
• Die Regierung erkennt die negativen Auswirkungen von
Korruption auf den Wohlstand des Landes und die Legitimität
der Partei an und hat daher eines der umfassendsten und
ambitioniertesten Anti-Korruptionsgesetze Asiens
verabschiedet.
• Verbesserungen im Rechtsrahmen erfolgten nach der
Verabschiedung des Anti-Korruptionsgesetzes durch die
Nationalversammlung im Jahr 2005 (geändert 2007, 2012 und
2018) sowie durch die Nationale Strategie zur
Korruptionsbekämpfung bis 2030.
Korruptionsbekämpfung in Vietnam
In den letzten zehn Jahren der Umsetzung hat sich gezeigt, dass das
aktuelle Rechtsrahmenwerk angesichts der zunehmenden
Komplexität von Korruptionsfällen unzureichend ist, um
Korruption wirksam zu bekämpfen. Dies veranlasste die
vietnamesische Regierung, das bestehende System zu
überarbeiten, um die Politik vollständig effektiv und
praktisch umsetzbar zu machen.
Es gibt keine gesetzliche Definition von „Bestechung“
im vietnamesischen Recht. Im Wesentlichen kann sie jedoch als
Handlung des Anbietens, Versprechens, Gebens oder Empfangens von
Geld oder einem anderen Wertgegenstand verstanden werden
(Mindestschwelle: VND 2 Millionen, ca. 90 USD). Auch immaterielle
Vorteile – wie sexuelle Gefälligkeiten, Stellenangebote
oder die Annahme von Bildungsplätzen – können als
Bestechung betrachtet werden, obwohl es hierzu keine klare
gesetzliche Regelung gibt.
Die derzeitigen Gesetze richten sich ausschließlich gegen
Personen mit Ämtern und Machtpositionen (z. B.
Staatsbeamte).
Besonders hervorzuheben ist, dass der Erhalt von mindestens VND 1
Milliarde mit der Todesstrafe geahndet werden kann.
Bei Fragen können Sie sich gerne an Dr. Oliver Massmann unter
omassmann@duanemorris.com wenden. Dr. Oliver Massmann ist
Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.
Disclaimer: This Alert has been prepared and published for informational purposes only and is not offered, nor should be construed, as legal advice. For more information, please see the firm's full disclaimer.
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