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16 January 2026

Warum wir Dissertationen auf Plagiate analysieren – ein persönlicher Zugang zu einem systematischen Thema

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Schweiger & Partners

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Sie haben vielleicht gesehen, daß unsere Kanzlei Plagiaritätsprüfungen von Dissertationen ("Doktorarbeiten") anbietet.
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Sie haben vielleicht gesehen, daß unsere Kanzlei Plagiaritätsprüfungen von Dissertationen (“Doktorarbeiten”) anbietet. Das ist zwar erst einmal ungewöhnlich für eine Patentanwaltskanzlei, fällt aber dennoch in das Arbeitsspektrum eines Patentanwalts. Wir sind meines Wissens nach die einzige Patentanwaltskanzlei, die diese Dienstleistung offiziell anbietet.

Wie ich zu dieser Tätigkeit gekommen bin

Der konkrete Anlass, mich mit Dissertationen zu beschäftigen, kam durch einen Mandanten. Er bat mich, eine bestimmte Dissertation genauer zu prüfen, denn er hatte Zweifel an der Eigenständigkeit der Arbeit. Ich habe zugesagt, obwohl das fachlich zunächst nicht mein Kerngebiet war. Aber ich habe etwas getan, das ich gut kann: Ich habe systematisch analysiert.

Als Patentanwalt arbeite ich regelmäßig mit Verfahren zur Recherche und Bewertung von Fachliteratur, etwa im Rahmen von Einspruchs- oder Nichtigkeitsverfahren. Dabei kommt es darauf an, den Stand der Technik genau zu erfassen, Argumentationslinien zu erkennen und Quellen auf Plausibilität zu prüfen. Ich habe diese Werkzeuge und Methoden und darunter auch spezialisierte Software auf die mir vorgelegte Dissertation angewendet.

Das Ergebnis hat mich selbst überrascht: Schon in der Vorprüfung traten Auffälligkeiten zutage, die ohne systematisches Vorgehen leicht übersehen worden wären. Der Stil war unstet, das Zitierverhalten uneinheitlich, bestimmte Quellen wurden nicht so verwendet, wie es der wissenschaftliche Standard verlangt. Durch gezielte Recherchen konnte ich zeigen, dass ganze Argumentationsstränge aus anderen Arbeiten übernommen worden waren, teilweise ohne jede Quellenangabe.

Das war der Ausgangspunkt. Seitdem habe ich mich intensiver mit der Frage beschäftigt, wie man Dissertationen sachlich, fundiert und ohne Vorurteile prüfen kann, und zwar mit Methoden, die sich in der Patentpraxis bewährt haben.

Nein, ich selbst habe keinen Dr.-Titel

Ich habe selbst einmal eine Doktorarbeit beginnen wollen, mehrfach sogar. Ich war an zwei Universitäten als Doktorand eingeschrieben, in Kanada und in Frankreich, und ich hatte später auch noch ein Angebot einer Universität in Deutschland. Am Ende habe ich keinen Doktortitel gemacht. Es lag nicht an mangelndem Interesse oder fehlender Eignung. Es war eine bewusste Entscheidung, nur wenige Monate nachdem ich dieses Projekt begonnen hatte. Ich habe mich anders orientiert, nämlich in Richtung Patentrecht.

Was ich aber aus dieser Zeit mitgenommen habe, ist ein scharfer Blick für wissenschaftliches Arbeiten. Ich weiß, wie Dissertationen entstehen. Ich weiß auch, wie sie manchmal nicht entstehen. Oder wie sie nur nach außen hin wie eine eigene Leistung aussehen, obwohl der Inhalt aus fremden Quellen übernommen wurde. Genau das ist heute ein Teil unseres Arbeitsfelds als Patentanwälte: wir prüfen unter anderem Dissertationen auf Unregelmäßigkeiten. Und wir tun das mit System.

Wissenschaft und Wirklichkeit: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Dissertationen gelten als Beweis für die Fähigkeit, eigenständig wissenschaftlich zu arbeiten. In der Praxis wird das oft einfach vorausgesetzt. Kaum jemand schaut sich die Arbeit noch einmal genau an, vor allem, wenn der Titel schon verliehen ist. Doch es gibt Fälle, in denen genau das nötig wird.

Wir haben an mehreren Prüfprojekten mitgewirkt, bei denen es um genau solche Fragen ging:

  • Wurde hier wirklich eigenständig gearbeitet?
  • Sind die Quellen vollständig und korrekt angegeben?
  • Wurde sauber zitiert?
  • Gibt es Hinweise auf versteckte Übernahmen?

Die Bandbreite reicht von einfachen Zitierfehlern bis hin zu systematischen Plagiaten. Manchmal sind es nur wenige Stellen. In anderen Fällen ist der gesamte Aufbau der Arbeit aus fremden Vorlagen übernommen. Oft erkennt man das erst, wenn man ganz genau hinschaut – strukturell, stilistisch und inhaltlich.

Typische Ursachen für auffällige Dissertationen

Nicht jede auffällige Dissertation ist ein Plagiat. Manchmal entstehen Schwächen schon viel früher, nämlich während des Schreibprozesses. Aus meiner Erfahrung und aus Gesprächen mit Promovierenden und Fachleuten lassen sich bestimmte Muster erkennen:

  • Manche starten ohne klares Konzept und schreiben einfach drauflos.
  • Andere stimmen ihr Thema nie richtig mit dem Doktorvater oder der Doktormutter ab.
  • Viele beginnen erst sehr spät mit dem eigentlichen Schreiben, oft erst nach Jahren der Projektarbeit.
  • In manchen Fällen steht der Doktortitel im Vordergrund, nicht das Forschungsthema.
  • Und nicht selten kommt irgendwann die Selbstzweifel-Phase, in der manche zur externen Hilfe greifen.

Solche Hintergründe muss man kennen, wenn man eine Dissertation prüft. Denn sie helfen, die Textstruktur zu verstehen und zu unterscheiden: Was ist Nachlässigkeit, was ist Täuschung, und wo beginnt bewusste Fremdübernahme?

Ein Wort zu Ghostwriting und professionellen Anbietern

Bei manchen Dissertationen, die wir prüfen, zeigt sich: Der Text wurde wahrscheinlich nicht vom offiziellen Autor selbst verfasst. In solchen Fällen erkennt man typische Muster: etwa starke Stilwechsel, fehlende persönliche Handschrift oder eine formale Gliederung ohne inhaltliche Tiefe. Manchmal fehlen eigene Gedanken völlig, obwohl die Arbeit auf den ersten Blick vollständig wirkt.

Es ist kein Geheimnis, dass es in Deutschland und anderen Ländern Anbieter gibt, die komplette Dissertationen gegen Bezahlung vermitteln oder schreiben, teilweise mit akademischem Personal im Hintergrund. Auch ich hatte vor vielen Jahren Kontakt zu einem solchen Anbieter. Damals hätte eine Betreuung durch einen vermittelten Professor rund 30.000 D-Mark gekostet. Ich habe mich dagegen entschieden. Heute bin ich froh darüber.

Solche Angebote zeigen, dass es einen Markt für wissenschaftliche Scheinleistungen gibt. Das erklärt, warum manche Arbeiten bei genauer Analyse technisch korrekt wirken, aber keine echte Eigenleistung enthalten. Für unsere Arbeit als Prüfer ist es wichtig, solche Hintergründe zu kennen, um Auffälligkeiten einordnen zu können, ohne vorschnell zu urteilen.

Ein strukturierter Prüfansatz: Keine Vorwürfe, sondern Fakten prüfen

In unserer Arbeit nutzen wir ein mehrstufiges Verfahren. Es beginnt immer mit einer Vorprüfung. Wir analysieren die Gliederung, das Literaturverzeichnis, die Argumentationsweise und das Zitierverhalten. Auffälligkeiten werden dokumentiert, aber nicht sofort bewertet.

Es geht nicht darum, jemanden zu beschuldigen, sondern darum, die Frage zu beantworten: Lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen?

Wenn sich Hinweise verdichten, gehen wir tiefer:

  • Wir vergleichen die Dissertation mit den tatsächlich angegebenen Quellen.
  • Wir prüfen auf Übereinstimmungen, auch mit nicht genannten Veröffentlichungen.
  • Wir achten auf typische Muster: zum Beispiel abrupt wechselnde Stile oder ungewöhnlich glatte Übergänge zwischen Kapiteln.

Dabei ist wichtig: Wir ersetzen keine Gerichte oder Kommissionen. Wir liefern keine abschließenden Urteile. Unsere Aufgabe ist es, strukturiert, nachvollziehbar und mit fachlicher Genauigkeit Indizien zu prüfen, und das Ergebnis in einer sachlichen Einschätzung zusammenzufassen.

Den letzten Schritt der Beurteilung einer Dissertation überlassen wir immer dem akademischen System selbst: ein renommierter Wissenschaftler, oft schon im Ruhestand aber ein Fachmann auf dem Gebiet der betroffenen Dissertation, überprüft die Dissertation anhand der von uns erarbeiteten Fakten und Daten. Und er beurteilt, ob ein Plagiat vorliegt.

Wie wird so eine Arbeit in der Gesellschaft gesehen?

Wer Dissertationen prüft, bewegt sich in einem sensiblen Feld. Die Reaktionen auf diese Tätigkeit sind unterschiedlich, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet.

In der Öffentlichkeit sehen viele solche Prüfungen als sinnvoll an. Gerade durch bekannte Fälle in der Politik oder Wissenschaft ist das Bewusstsein gestiegen, dass nicht jede Doktorarbeit automatisch glaubwürdig ist. Manche Menschen halten diese Arbeit für notwendig, um die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu schützen. Andere empfinden sie als Angriff auf Personen, vor allem wenn es um bekannte Namen geht.

In der Wissenschaft selbst stößt man oft auf Zurückhaltung. Viele Hochschulen sehen sich als einzige zuständige Stelle für solche Bewertungen. Prüfer von außen werden nicht immer ernst genommen, besonders wenn sie keine Professur haben oder nicht aus dem akademischen Betrieb stammen. Deshalb ist es wichtig, methodisch sauber und mit einem klar abgegrenzten Anspruch zu arbeiten.

In den Medien werden gute Analysen dagegen häufig geschätzt. Journalisten brauchen greifbare Belege, wenn sie über mögliche Täuschung berichten. Wer gut dokumentiert und sachlich bleibt, kann hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Aus juristischer Sicht kann eine fundierte Vorprüfung sehr hilfreich sein, etwa für Anwälte, die den Sachverhalt klären möchten, bevor sie eine Universität oder ein Kultusministerium einschalten. In solchen Fällen ist es entscheidend, dass die Prüfung nachvollziehbar, neutral und belastbar durchgeführt wurde.

Und für Betroffene selbst? Die erleben eine Prüfung meist als persönliche Kränkung, selbst wenn sachlich gearbeitet wurde. Umso wichtiger ist es, dass die Arbeit nicht als Vorverurteilung auftritt, sondern als Hilfestellung zur Klärung offener Fragen.

Unser Ziel ist es nicht, jemanden öffentlich bloßzustellen. Wir finden heraus, ob die Fakten für sich sprechen und ob es sich lohnt, weiterzugehen. Genau das erwarten unsere Auftraggeber: eine ruhige, sachliche und methodische Prüfung, ohne persönliche Motive.

Warum mein eigener Weg mich für diese Arbeit besonders qualifiziert

Ich habe über viele Jahre hinweg gelernt, mit Texten genau umzugehen. In meinem Hauptberuf als Patentanwalt arbeite ich täglich mit wissenschaftlichen Beschreibungen, technischen Erfindungen und komplexen Textanalysen. Ich weiß, worauf es ankommt, wenn man prüfen will, ob eine geistige Leistung tatsächlich eigenständig erbracht wurde.

Meine eigene Erfahrung mit dem Hochschulsystem, inklusive Frustrationen, Umwegen und bewussten Abbrüchen,hilft mir dabei. Ich weiß, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, und ich erkenne, wenn etwas nicht stimmig ist.

Besonders wichtig finde ich dabei: Ich bewerte nicht den Menschen, sondern die Arbeit. Und ich urteile nicht vorschnell. Viele Fehler passieren aus Nachlässigkeit, aus Zeitdruck oder weil jemand nicht genau wusste, wie man sauber zitiert. Aber manchmal steckt mehr dahinter, und genau dann braucht es eine professionelle Analyse.

Für wen das interessant ist

Unsere Dienstleistung richtet sich an Menschen, die Klarheit wollen:

  • Privatpersonen, die Zweifel an einer bestimmten Arbeit haben.
  • Journalistinnen und Journalisten, die auf mögliche Unregelmäßigkeiten stoßen.
  • Institutionen, die eine Vorprüfung benötigen, bevor sie weitere Schritte unternehmen.
  • Rechtsanwälte, die sich ein erstes Bild vom Sachverhalt machen wollen.

Vertrauliche Analyse unter anwaltlicher Schweigepflicht

Wichtig ist: Wir arbeiten vertraulich, sachlich und methodisch. Keine öffentliche Anprangerung, keine Vorverurteilung, keine politische Instrumentalisierung.

Als zugelassener Patentanwalt unterliege ich der gesetzlich geregelten Verschwiegenheitspflicht nach § 39 der Patentanwaltsordnung (PAO).

Alle Informationen, die mir im Rahmen einer Dissertationsanalyse zur Verfügung gestellt werden, werden streng vertraulich behandelt. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte, keine Meldung an Behörden oder Hochschulen, keine Veröffentlichung, und auch nicht im Verdachtsfall.

Die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht ist nicht freiwillig, sondern durch Gesetz geregelt und wird durch die Patentanwaltskammer überwacht. Das schafft maximale Verlässlichkeit, gerade bei sensiblen Fällen wie Plagiatsverdacht oder interner Vorprüfung.

Anders als bei vielen Online-Diensten zur Plagiatsprüfung gilt bei uns: Diskretion ist keine Option, sondern eine Pflicht.

Fazit: Ich weiß, wie es ist. Und deshalb kann ich helfen

Ich bin heute froh, dass ich meinen eigenen Weg gegangen bin. Der fehlende Doktortitel hat mir beruflich nicht geschadet. Im Gegenteil: Ich habe meinen eigenen Zugang zum Thema gefunden. Heute bin ich nicht Teil des akademischen Betriebs aber ich kann ihn von außen mit klarem Blick betrachten.

Und genau das ist der Vorteil: Ich bringe keine Eitelkeit mit, kein Interesse an Titeln, sondern ein Interesse an Sauberkeit, Nachvollziehbarkeit und Wahrheit. Das ist mein Anspruch, und das ist es, was wir unseren Mandanten anbieten.

IP Lawyer Tools by Martin Schweiger

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